Wolfgang Hagen:

Das Loch

Beobachtungen vom Schwinden des Seins

IMD 429
120 Seiten.
ISBN: 978-3-88396-373-0
Buch: ist angekündigt
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Seit dem späten Mittelalter existiert – im christlichen Abendland – das Loch zur Steuerung von Glocken, Tönen und Ton-Automaten, später von Webstühlen und Rechenmaschinen. Später gerät es zur Perforation des Films und wird zum Essential der Holerithmaschine sowie der Punchcards der Computer, bis am Ende Finger und Augen, also das Keyboard und der Screen, die Lücken schließen. Genau in diesem Augenblick aber verschwindet das Loch im Silizium, als zentraler Elementarbaustein der operationalistischen Quantenmechanik des Transistors. Das wiederum hat ermöglicht, den Hubble-Satelliten und seine Computer ins Weltall zu schießen, die uns seither Kunde geben von (mindestens) einem »Schwarzen Loch« in jeder Galaxie. Neben dem, dass das Universum zu 95% von (»dunkler«) Materie und Kräften durchdrungen ist, die wir nicht kennen, ist es durchsetzt von »Löchern«, deren Physik wir nicht verstehen, weil in ihnen kein Raum und keine Zeit existiert. Diese lochhafte »Singularität« kündigt nun aber vom Ende her eine Vereinbarung auf, die - mit Newton - die Neuzeit eröffnete und den Grund aller Aufklärung legte: nämlich dass die Dinge im Himmel so seien wie auf Erden. Sie sind es nicht. So schwindet das Sein des Menschen und seiner Dinge im Operationalismus einer Differenz, die sich nicht schließen lässt.

Wolfgang Hagen (1950), Professor für Medienwissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg.